Aufgaben und Vorgehen

Aufgaben

Welche Aufgaben fallen bei der Umsetzung von Innenentwicklungsprojekten an?

  1. Erarbeitung eines Siedlungsleitbilds mit einer Strategie zur Innenentwicklung
  2. Handlungsbedarf und potentielle Projektvarianten klären
  3. Innenentwicklungsprozess initiieren
  4. Innenentwicklung umsetzen

Diese vier Aufgaben sind für sich eigenständig und erfordern u.a. jeweils die Definition von Aufgaben, Zielsetzungen, Projektverantwortlichen, Beteiligten, Budget, Zeitrahmen und Einbezug von bestehenden Grundlagendokumenten bzw. Hilfestellungen.

Vorgehen

Sie möchten ein Innenentwicklungsprojekt starten?

Die unten beschriebenen Schritte einzelner Teilaufgaben und sind je nach Ausgangslage unterschiedlich zu kombinieren und nicht zwingend nacheinander zu realisieren. Jeder Innenentwicklungsprozess ist einzigartig und auf die spezifischen Bedürfnisse und Gegebenheiten in der Gemeinde abzustimmen. Teilweise fliessen die unten genannten Elemente auch von einer Phase in die andere über oder ziehen sich durch den gesamten Prozess hindurch.

Um einen groben Überblick der anfallenden Aufgaben und Prozessschritte zu haben kann man in etwa von folgenden vier Schritten ausgehen:
Basierend auf dem Buch «Qualitätsvolle Innenentwicklung von Städten und Gemeinden durch Dialog und Kooperation»


2. Vor Ort – Handlungsbedarf und potentielle Projektvarianten

Klärung Auftrag – Prozessaufgleisung

In diesem Schritt muss gemeinsam mit involvierten Experten und Expertinnen geklärt werden, was die Zielvorstellungen der Gemeinde sind und wo Handlungsbedarf besteht. Die Spannweite möglicher Projektvarianten ist gross, daher ist es zentral, dass die Aufgaben der Gemeinde - bezüglich Projektverantwortung, Beteiligten, Budget und Zeithorizont - klar herausgearbeitet werden (siehe Kapitel 5.3 Arbeitshilfe Siedlungsentwicklung nach innen).
Weiterhin ist zu überlegen welche Personen von anstehenden Veränderungen betroffen sind (im Sinne einer Stakeholderanalyse) und wie man diese einbeziehen möchte (mit einem entsprechenden Partizipationskonzept).

Erfassen der Akteure und ihrer Perspektiven

Dies ist ein zentraler Teil der Prozessaufgleisung. Es geht darum zu sondieren welche Einwohnende bzw. Eigentümer und Eigentümerinnen vom Prozess betroffen sind und daher direkt zu involvieren sind und welche zwar nicht direkt betroffen sind aber ein erhöhtes Interesse haben und mindestens zu informieren sind. Ein weiterer Teilschritt ist die Erfassung der verschiedenen Perspektiven und Bedürfnisse der einzelnen Eigentümer und Eigentümerinnen, sowie je nach Gegebenheit auch der Nutzenden und Anwohnenden des entsprechenden Gebiets.

Erfassen von lokalen Gegebenheiten (ortsspezifische Merkmale und Eigenheiten)

Dieser Schritt erfordert Recherchen vor Ort und mittels Plänen, um ein umfassendes Bild davon zu bekommen was die Qualitäten des betrachteten Gebietes ausmacht und worauf in der weiteren Entwicklung zu achten ist (z.B. historische Wege oder Gebäude, topographische Gegebenheiten, informelle aber etablierte Fusswege, bauliche Charakteristiken die bei einem Grossteil der Liegenschaften vorkommen etc.).

Tipp:
Es lohnt sich für diesen Schritt genügend Zeit einzuräumen um die Bedürfnisse der Beteiligten genau erfassen zu können und den nächsten Schritt aufzugleisen. Die Klärung des Auftrags bildet die Basis für die darauffolgenden Schritte. Beim Erfassen der lokalen Gegebenheiten muss darauf geachtet werden, dass man ergebnisoffen arbeitet und die entwickelten Instrumente anschlussfähig sind, sprich auch in längerfristige Entwicklungen und Planungsvorhaben eingebettet werden können.

 


3. Dialogischer Prozess – Innenentwicklungsprozess initiieren

Einigung Prozess

Zunächst muss der Ablauf des Prozesses festgelegt werden. Dabei gilt es einige grundsätzliche Frage zu klären, wie beispielsweise die Rolle der Gemeinde im Prozess, wer involviert sein wird und welche Form der dialogische Prozess haben wird. Dazu gibt es eine Reihe an verschiedenen Möglichkeiten, die jeweils situationsspezifisch ausgewählt und angepasst werden sollten.

Lokales Wissen erfassen und festhalten

Dialogische Prozesse haben in der Innenentwicklung vor allem das Ziel lokales Wissen in Erfahrung zu bringen und sicherzustellen, dass dieses für die qualitätsvolle Entwicklung, welche auch im Sinne der Einwohnenden ist, festgehalten wird. Dazu ist es zentral, dass die Prozesse professionell moderiert werden, sodass alle Anliegen, spezifisch auch die sozialräumliche Perspektive, erfasst werden können.

Festlegen gemeinsamer Grundsätze und Entwicklungswünsche

Nachdem das lokale Wissen erfasst wurde muss mit den Eigentümern und Eigentümerinnen des Gebietes welches entwickelt werden soll, eine gemeinsame Vision bzw. Entwicklungsvorstellung geschaffen werden.

Grundlagen für öffentlich-rechtliche Verbindlichkeit schaffen

Die gemeinsam festgelegte Vision bzw. die Entwicklungsvorstellung(en) dienen dann als Grundlage um planungsrechtliche Festlegungen zu treffen und so Verbindlichkeit zu schaffen. Dies soll im Sinne der Eigentümer und Eigentümerinnen geschehen, sodass klare Bedingungen geschaffen werden. Einerseits für diejenigen die eine Entwicklung ihrer Liegenschaft(en) wünschen und andererseits um den übrigen Eigentümern und Eigentümerinnen Klarheit darüber zu verschaffen was in dem Gebiet möglich ist.

Tipp:
Bei dialogischen Prozessen in der Innenentwicklung sind eine Reihe an verschiedenen Kompetenzen gefragt. Daher lohnt es sich mit einem interdisziplinär zusammengesetzten Team zu arbeiten, sodass die verschiedenen Perspektiven vertreten sind und ein möglichst umfassendes Ergebnis entsteht.
 

 


4. Beginn der Umsetzung – Innenentwicklungsprozess umsetzen

Verbindliche Planung auf Ebene Gemeinde

Nach dem die Grundlagen für eine eigentümerverbindliche Planung im dialogischen Prozess erarbeitet wurden gilt es diese planungsrechtlich festzuhalten. Dieser Schritt erfolgt über die Gemeinde und ist, je nach Form des angestrebten Resultats, ordentlichen Mitwirkungsverfahren und anschliessenden Abstimmungen unterworfen.
Neben den Resultaten aus dem dialogischen Prozess (Schritt 3) gilt es auch weitere Punkte zu beachten wie eine objektive Analyse des Marktpotentials, mögliche städtebauliche Verträge sowie Organisationsmodelle zwischen den Grundeigentümern und Grundeigentümerinnen und den Behörden.

Detailkonzepte

Im Rahmen der planungsrechtlichen Festsetzung der Resultate (z.B. als Sondernutzungsplan), oder bereits als weiterführender Schritt, können dann detailliertere Konzepte für das Gebiet erstellt werden. Diese können sowohl verbindlich oder lediglich als konzeptioneller Vorschlag erarbeitet werden.

Wettbewerbsverfahren (architektonisch / städtebaulich)

Bei grösseren Bauvorhaben über ganze Areale hinweg wird für gewöhnlich mit Wettbewerbsverfahren zur Ausarbeitung konkreter Bauprojekte gearbeitet. Wo sich eine komplexere Eigentumsstruktur mit einer Vielzahl an verschiedenen Eigentümern und Eigentümerinnen vorfindet werden Projekte schlussendlich durch die einzelnen Eigentümer und Eigentümerinnen umgesetzt.

Konkretes Bauprojekt

Sind alle oberen Schritte umgesetzt kann dann mit der Ausarbeitung der konkreten Bauprojekte durch die Bauherrschaft begonnen werden und die Umsetzung der Entwicklung nach innen erfolgen.

Allgemeine Tipps:

  • Es lohnt sich frühzeitig mit der Planung zu beginnen, da der gesamte Entwicklungsprozess eine langfristige Aufgabe ist.
  • Die Gemeinde hat eine aktive Rolle im Innenentwicklungsprozess einzunehmen und sollte dementsprechend auch die Verantwortung für die Koordination des Gesamtprozesses übernehmen.
  • Planungsgrundlagen welche in einem dialogischen Prozess realisiert wurden sind aufwändiger zu realisieren, sie finden jedoch auch eine breitere Akzeptanz und Abstützung in der Bevölkerung, was schlussendlich die Nachhaltigkeit dieser Grundlagen verbessert – sprich man läuft weniger Risiko «Planungsleichen» zu produzieren.
  • Dialogische Prozesse brauchen entsprechende Ressourcen, sowohl zeitlich als auch finanziell – dies ist unter anderem auch bei der Budgetplanung der Gemeinde zu berücksichtigen.