Sempach

Herausforderung

Einzelne GrundeigentümerInnen aus dem Gebiet Feld / Feldmatt in Sempach möchten ihre Liegenschaften weiterentwickeln, sind aber durch die bestehenden Gestaltungspläne in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. Die Gestaltungspläne stammen aus den 1980er Jahren und sind revisionsbedürftig. Vor diesem Hintergrund wollte die Gemeinde nicht wie bisher Einzelabweichungen vom bestehenden Gestaltungsplan genehmigen, sondern eine ganzheitliche Betrachtung des Gebiets und eine gesamthafte Revision der Gestaltungspläne resp. einen Ersatz der Gestaltungspläne durch einen Bebauungsplan vornehmen. Die Fallstudie des Modellvorhabens wurde mit dem Ziel lanciert, im Quartier eine massvolle bauliche Weiterentwicklung zu ermöglichen, welche in Abstimmung mit der Eigentümerschaft definiert wird.

Prozessdesign

Zu Beginn des Prozesses wurde eine Informationsveranstaltung für die GrundeigentümerInnen aus dem Perimeter des Gebiets «Feld / Feldmatt» durchgeführt. An dieser Veranstaltung wurde darüber orientiert, mit welchem Ziel das Projekt gestartet wurde. Es erfolgte eine Diskussion mit den EigentümerInnen zu den Qualitäten und Entwicklungsmöglichkeiten des Quartiers, welche in die Szenarienentwicklung einfloss. Im Anschluss an die Informationsveranstaltung erfolgten Interviews mit den GrundeigentümerInnen und es wurde eine ortsbauliche Analyse durchgeführt.

Im Rahmen des ersten Workshops mit den GrundeigentümerInnen aus dem Quartier wurden drei verschiedene Szenarien zur baulichen Weiterentwicklung des Quartiers präsentiert und mit der Eigentümerschaft diskutiert. Für die weitere Bearbeitung wurden die EigentümerInnen gebeten, ihr favorisiertes Szenario anzugeben. Mit den Feedbacks aus dem ersten Workshop wurde das favorisierte Szenario konkretisiert. Unter anderem wurde ausgearbeitet, wie die Umsetzung des Szenarios über konkrete planungsrechtliche Regelungen (wie z.B. die Festlegung von Grünkorridoren) realisiert werden kann.

Im zweiten Workshop mit den GrundeigentümerInnen wurden die ausgearbeiteten baulichen Regelungen für das gewählte Szenario den EigentümerInnen präsentiert und mit ihnen diskutiert. Dabei wurde gefragt, ob die EigentümerInnen mit den Regelvorschlägen einverstanden sind und welche Vor- und Nachteile sie darin sehen. Diese Rückmeldungen bildeten die Grundlage für die Ausarbeitung des Bebauungsplans im Anschluss an das Modellvorhaben.

Szenarien

Für die bauliche Weiterentwicklung des Gebiets wurden drei verschiedene Szenarien entwickelt und vorgestellt. Szenario 1 «Naturblick» sieht eine bauliche Erweiterung lediglich in Ost-West-Richtung vor und erhält somit bestehende Grünkorridore im Gebiet, welche unter anderem den Blick in Richtung See und auf die umliegenden Hänge sicherstellen. Weiterhin bleibt die Höhenstaffelung der Gebäude, welche am Gelände ausgerichtet ist, bestehen. Szenario 2 «Quartier für Jung und Alt» sieht eine bauliche Erweiterung primär in Nord-Süd-Richtung vor. Dies erlaubt eine deutlichere Abschirmung der privaten Gärten von der öffentlichen Strasse. Ausserdem ist eine Aufwertung des Strassenraums hin zu einem Begegnungs- und Spielbereich vorgesehen. Szenario 3 «Generationenwechsel» erlaubt bauliche Erweiterungen in alle Richtungen und gewährt damit den grössten Gestaltungsspielraum.

Favorisiertes Szenario

Das Szenario 1 «Naturblick», wurde von den EigentümerInnen favorisiert, da der Durchblick durch das Quartier in Richtung See und auf die umliegenden Hänge und die bestehende Qualitäten wie der grosszügige Grünraum erhalten bleiben. In der weiteren Ausarbeitung wurden Vorschläge dazu entwickelt, wie dieses Szenario über planungsrechtliche Regelungen realisiert werden könnte.

 

 

 

Planungsinstrument und weiterer Prozess

Die planungsrechtliche Sicherung der Ergebnisse aus den Mitwirkungsveranstaltungen erfolgte über die Erarbeitung eines Bebauungsplans, welcher durch ein Planungsbüro im Anschluss an das Modellvorhaben erstellt wurde. In enger Abstimmung zwischen dem Projektteam aus dem Modellvorhaben und dem Planungsbüro wurde definiert, wie die Anliegen und Ergebnisse aus den Mitwirkungsveranstaltungen mit den GrundeigentümerInnen in den Bebauungsplan einfliessen können. Zur weiteren Orientierung der betroffenen GrundeigentümerInnen aus dem Quartier, sowie der weiteren Bevölkerung in Sempach wurde zum Anstoss des öffentlichen Mitwirkungsverfahrens nochmals eine Informationsveranstaltung durchgeführt, an der der Bebauungsplan vorgestellt wurde.

Steckbrief

Auftrag:                                              Gemeinde Sempach; Dienststelle Raum und Wirtschaft (rawi), Kanton Luzern
Dauer: Januar 2015 – September 2015 / April 2016 – November 2017 (Bebauungsplan)
Aufgabe: Verdichtung eines Einfamilienhausquartiers
Instrument im Modellvorhaben: Entwicklungsszenarien mit Bebauungskonzepten als Grundlage für eine Gestaltungsplanrevision (im Verlauf des Prozesses hat man sich entschieden, anstelle einer Gestaltungsplanrevision einen Bebauungsplan zu erarbeiten)
Prozess: Vorgelagerte Verfahren Bauanfragen von verschiedenen EigentümerInnen aus dem Gebiet «Feld / Feldmatt»
Im Modellvorhaben Erarbeitung von Entwicklungsszenarien mit Bebauungskonzepten als Grundlage für einen Bebauungsplan
Anschliessende Verfahren Erstellung eines Bebauungsplans durch die Gemeinde und das Planungsbüro

Aufhebung Gestaltungsplan und Abstimmung zur Annahme des Bebauungsplan durch die Gemeindeversammlung

Partizipative                                 
Methoden:

Informationsveranstaltung zur Vorstellung des Vorgehens im Modellvorhaben

Interviews mit den EigentümerInnen zur Sondierung der individuellen Interessen

Zwei Mitwirkungsveranstaltungen (modifizierte World-Cafés) zur:

  • Abholung des lokalen Wissens der EigentümerInnen
  • Bearbeitung der vorgeschlagenen Szenarien im Dialog mit den Eigentümerinnen

Information / Mitwirkung im Rahmen des Bebauungsplan-Verfahrens (Bevölkerung)

Involvierte Externe:

Planungsbüro Planteam S (Erarbeitung des Bebauungsplans)

Weiterführende Informationen, Links und Dokumente